Frohe Ostern – oh my love, Hühner – ein Bekennerschreiben

Nein, es geht hier nicht um Hühner, die Eier legen, es geht um die sogenannten Masthühner. Vor einigen Jahren hatte ich das Glück, welche groß ziehen zu dürfen. Ja, ich bekenne, ich war in einer Tierfabrik und ja, ich bekenne, ich habe mir einige der sterbenden Tiere in die Jacke gesteckt. Selbst wenn man mich nun ans Kreuz nageln würde, man möge mir die Blasphemie verzeihen, ich könnte nicht einmal die Adresse der Tierfabrik sagen…

Zuhause habe ich sie in den ersten Wochen in der Wohnung gehalten, eines war in extrem schlechter Verfassung, die Beine seitlich weggestreckt, sogenannte Scherenbeine, war das Huhn nicht einmal in der Lage zu stehen. Ich fixierte sie mit Bändern, gab dem kleinen Wesen knochenstärkende Nahrung…den anderen Dreien ging es schon besser.

Die Wochen zogen ins Land und ich stellte fest, dass ich drei Hähne und eine halbblinde Henne gerettet hatte. Ich nannte sie Maybelline, Chuck, Elvis und Errol. Diese vier Masthühner sollten mich lehren, wie individuell diese Tiere sind. Sie, die normalerweise nach 5 Wochen geschlachtet werden, 5 Wochen, in denen sie keine Zeit hatten, ihre Persönlichkeit zu entwickeln. Und jedes Huhn ist anders, Chuck, der Gutmütige, Elvis, der seine kleine Schar verteidigt, Errol, der lustige Kasperl und Maybellin, halbblind, schlau und aufmerksam. Die drei Hähne waren die reinsten Gentlemen ihr gegenüber, machten ihr Platz beim Essen, machten keinerlei Avancen…Masthühner haben keinen Sexualtrieb mehr, sie sind auf reine Gewichtszunahme gezüchtet. Und ich musste sehr aufpassen, dass sie nicht zu dick wurden. Mittlerweile im Freigehege, bereitete ich täglich das Essen für sie zu, viel Grünzeug, Salat…Chuck wurde aber trotzdem dick und bekam Probleme mit den Beinen…ich badete ihn in der Badewanne in Käsepappeltee…was er sich gern gefallen ließ. Elvis war der Wachhund, kam ein Fremder in den Garten, gab es lautes Krähen…wie die Gänse von Rom…Der Winter kam und ich hatte keinen warmen Stall…nur ein gemauertes Nebengebäude, wo ich sie in der Nacht unter einer warmen Steppdecke gehalten habe…mit einer Wärmelampe, die mir aber dann ob des Strohs zu gefährlich wurde…die Decke reichte…ich sang ihnen jede Nacht Gute Nacht-Lieder vor…Guten Abend, gute Nacht…Schlaf, Kindlein, schlaf…man möge mich für verrückt halten deswegen, doch die Hühner blieben unter der Decke und gurrten, während ich sang…Chuck wurde nur ein Jahr alt, Elvis und Errol merklich älter. Maybelline wurde zwei, ein biblisches Alter für eine Masthenne. Diese Tiere haben mir gezeigt, wie liebevoll, klug und einzigartig jedes Einzelne ist. Maybelline lebte zum Schluss mit ausrangierten Legehühnern und auch das funktionierte. Ja, ich habe dies Hühner geliebt und ich weiß wie Millionen ihrer Gefährten in Masthallen leiden, zu 10 000…auf den eigenen Exkrementen, viele todkrank…die Tränkeanlagen sind so eingestellt, dass sie von selbst hochgehen, die kranken Tiere kommen gar nicht mehr an das Wasser ran…jeden Tag werden die toten Tiere rausgeklaubt und Listen geschrieben…wieviel Aussschuss dabei war…und nun wollte die Geflügelindustrie die Besatzdichte dieser Wesen noch erhöhen. Die Tiere haben jetzt schon keinen Platz mehr. Tierrechtsvereine wie der VGT haben es verhindert und auch Robin Hood trug sein Scherflein bei mit 7056 Unterschriften, die direkt an das Gesundheitsministerium gingen…danke an die Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser, die tapfer gegen ihre Krebserkrankung ankämpft – ich wünsche ihr an dieser Stelle alles Gute, sie hat die Erhöhung der Besatzdichte abgelehnt.

Die Geflügelindustrie tobt: „Wir werden die Besatzdichtenerhöhung durchbringen!“

Und wir werden dagegen weiter ankämpfen und auch nicht aufhören. Weil diese Tiere es verdient haben, dass wir uns für sie einsetzen. Und am Besten sollte es gar keine Masthühner mehr geben, keine in diesen Fabriken, keine die gegessen werden. Go vegan. In memoriam Maybelline, Errol, Elvis und Chuck. Frohe Ostern! You all are „Oh my love“

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2 Gedanken zu “Frohe Ostern – oh my love, Hühner – ein Bekennerschreiben

  1. Hallo schöne Geschichte! Ich habe seit einer Woche 7 Hühner aus ner Fabrik. Es sind meine ersten Hühner überhaupt und ich bin auch ganz überrascht und erstaunt wie individuell und aktiv sie sind. Was für eine Quälerei diese armen Geschöpfe so einzusperren. Ich werde es all meinen Bekannten erzählen und hoffe den einen oder anderen dafür zu sensibilisieren das es unmöglich ist Eier aus „bodenhaltung“ oder oder zu kaufen. Liebe grüße alex und auch dir frohe Ostern 😀

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  2. Eine ganz wunderbare, berührende Geschichte! Danke Dir, dass Du die Hühner aus der Tierfabrik geholt hast, und ihnen ein schönes Leben gegeben hast.
    So schön, dass es Menschen wie Dich gibt, die für Tiere da sind!
    Ich weiß nicht, ob Du in der Nähe von Linz wohnst. Wir machen am 9.Mai in Linz eine Großdemo für Tierrechte und mehr. Sie hat den Titel „Earthlings“. Wäre schön, wenn Du auch mitmachen könntest und vielleicht auch noch Leute dazu einladen könntest.
    LG
    Christine

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